Montag, 24. Februar 2014

Comichelden und ihre Filme


Es war ein jahrelanger Kampf bei dem Comics immer wieder als Kinderunterhaltung abgetan wurden und ihnen die Akzeptanz durch die breite Öffentlichkeit in Deutschland verwehrt blieb. In Japan erfreuen sich Manga schon seit Jahrzehnten einer großen Beliebtheit und werden von allen Generationen konsumiert und respektiert. In Deutschland sah die Welt hingegen anders aus. Hierzulande dachte man bei Comics stets an Donald Duck, Fix und Foxi, Spider-Man, Batman und Co. Dass es auch anspruchsvolle Unterhaltung gab, wollte man zunächst nicht wahr haben. Es war ein langwieriger Prozess, aber mittlerweile findet man Comic-Hefte, Graphic Novels und Manga auch im Buchhandel. Alan Moores und Dave Gibbons „Watchmen“ hat es 2005 sogar in die Liste der Times für die 100 besten englischsprachigen Romane seit 1923 geschafft. Der Ritterschlag, wenn man so möchte.

Das berühmte Watchmen-Comic von Alan Moore

Dieser neue Ruf, den sich Comics so schwer erarbeitet haben, steht allerdings auf wackeligen Füßen. Mit der Comicfilm-Schwemme, die seit einigen Jahren über die Kinos schwappt, ändert sich erneut das Bild, dass die Gesellschaft von der bebilderten Unterhaltung hat. Nicht missverstehen, ich bin ein großer Marvel-Fan und das schon seit jeher, hab ich doch als junger Spund die englischsprachigen Comics mit Gusto gelesen und gesammelt. Entsprechend bin ich auch Fan der Filme. DC war nie so meins, aber mit Batman hat der große Marvel-Konkurrent einen Helden in der Hand, dessen Filme häufig die Nase vorn hatten. Trotz alledem hört man, wenn ein neuer Marvel-Trailer über die Leinwand flimmert, Sprüche wie „Oh ne, schon wieder eine Comicverfilmung“. Dabei ist die Bezeichnung Comicverfilmung im eigentlichen Sinne keine Genre-Bezeichnung. Schließlich kann in einem Comic jedes Thema abgehandelt werden. Ob nun Drama, Thriller, Horror, SciFi, Action oder Superhelden, die Themengebiete sind durch das Label „Comicverfilmung“ nicht abgesteckt. Im Gegenteil, Comicautoren haben dieselben Freiheiten wie Buch- oder Drehbuchautoren. Eingeschränkt werden sie lediglich durch ihre Vorstellungskraft.

The Avengers durchbrach die 1 Milliarden Dollar Marke

Dabei ist vielen Zuschauern schlichtweg nicht bewusst, dass einige Filme auf einem Comicbuch basieren. Um diesem Umstand ein wenig Abhilfe zu verschaffen, habe ich ein paar Filme zusammen gesucht, deren Herkunft man in den meisten Fällen nicht unbedingt erahnt. Die Liste ist weder vollständig, noch maße ich mir an, hier die besten Vertreter rausgepickt zu haben. Sie soll lediglich einen kleinen Überblick bieten.

Crying Freeman (1995)

Crying Freeman - Comic und Film

Das französische Duo Samuel Hadida (Produzent) und Christophe Gans (Regisseur) hat 2006 mit „Silent Hill“ nicht nur eine der besseren Videospiele-Verfilmungen abgeliefert, sondern mit „Crying Freeman“ auch einen feinen Martial-Arts-Streifen produziert. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Manga des japanischen Autoren Kazuo Koike und des Zeichners Ryōichi Ikegami. In der Hauptrolle findet man Marc Dacascos. Hier zeigt der Amerikaner, der auch einige Jahre in Hamburg lebte, dass er mehr schauspielerisches Talent hat, als seine trauriges B-Movie-Dasein derzeit andeutet. Bereits im Capoeira-Film „Only the Strong“ arbeitete er mit Hadida zusammen und war später noch einmal in der Hadida-Produktion „Pakt der Wölfe“ unter der Regie Gans’ zu sehen. „Crying Freeman“ ist ein Action-Film, der häufig bei beiderlei Geschlecht auf Wohlgefallen trifft. Zum einen läuft der Hauptdarsteller häufiger mal mit nacktem Oberkörper rum, zum anderen stürzt man sich nicht zu stark auf die Action (in der allerdings auch technisch herausragt), sondern lässt auch eine Liebesgeschichte zwischen Yo Hinomura (Dacascos) und Emu O’Hara (Julie Condra) mit einfließen. Eine Liebesgeschichte, die frei nach dem Motto „Life Imitating Art“ ihren Weg ins echte Leben gefunden hat, denn Condra und Dacascos sind mittlerweile verheiratet und haben drei Kinder.

Oldboy (2003)
Der Thriller „Oldboy“ ist einer der Filme, der das südkoreanische Kino weltweit bekannt gemacht hat. Die verzwickte Geschichte um Oh Dae-Su, der für 15 Jahre von einem Unbekannten in einem Raum gefangen gehalten wird und nach seiner „Entlassung“ fünf Tage Zeit bekommt, um seinen Kidnapper zu finden, ist in der Form irgendwie nur im asiatischen Kino denkbar. Auch „Oldboy“ basiert auf einem japanischen Manga, allerdings sehr lose. Durch die internationale Bekanntheit des Films erhielt Park Chan-wooks „Vengeance“-Trilogie mehr Aufmerksamkeit. Ohne dass Park in seiner Trilogie einen roten Faden durch alle drei Filme zieht, ist „Oldboy“ das Mittelstück, während „Sympathy for Mr. Vengeance“ den Anfang bildet und „Lady Vengeance“ der Abschluss ist.

Choi Min-Sik als Oh Dae-Su

Erst letztes Jahr wurde ein US-Remake des Films veröffentlicht, welches außer wegen des Namens, anscheinend nicht in einem Atemzug mit dem Original genannt werden sollte. Spike Lee übernahm die Regie und ließ Josh Brolin die Hauptrolle spielen. Samuel L. Jackson, Sharlto Copley und Elizabeth Olsen waren in weiteren Rollen zu sehen. Bei Publikum und Presse fiel das Remake allerdings durch.

Road to Perdition (2002)
Nachdem Sam Mendes für „American Beauty“ mit einem Oscar als „Bester Regisseur“ ausgezeichnet wurde und das Drama noch vier weitere Goldjungen in Empfang nehmen konnte (u.a. für „Bester Film“), widmete sich der Regisseur einem weiteren Drama Thriller-Elementen. „Road to Perdition“ basiert auf der gleichnamigen Comic-Reihe, aus der Feder Max Allan Collins’.

Filmposter "Road to Perdition"

Vor der Kamera versammelte Mendes einen namhaften Cast. Tom Hanks spielte die Hauptrolle. Unterstützung fand er in Paul Newman, Daniel Craig, Jude Law und Jennifer Jason Leigh. „Road to Perdition“ schlägt ein langsames Tempo an, ist sehr visuell geprägt und behandelt die Loyalität eines Sohnes, der mit ansehen muss, dass sein Vater ein Auftragsmörder ist. Der Thriller erhielt sechs Oscar-Nominierungen und Conrad L. Hall wurde für seine Arbeit hinter der Kamera mit dem Oscar für „Beste Kamera“ ausgezeichnet.

A History of Violence (2005)
Einer unserer beliebtesten kanadischen Regisseure ist und bleibt David Cronenberg. Er drehte Filme wie „Scanners“, „Die Fliege“ und „eXistenZ“. Als er die Graphic Novel „A History of Violence“ für einen Film adaptierte, schlug er damit einen gänzlich anderen Weg ein. Das Drama zeigt Tom Stall (Viggo Mortensen), der in einer amerikanischen Kleinstadt ein kleines Cafè führt. Stall ist glücklich mit seiner Frau Edie (Maria Bello) verheiratet und hat einen Sohn Jack (Ashton Holmes). Doch seine Vergangenheit holt ihn ein, als er Besuch von Carl Fogarty (Ed Harris) bekommt, denn Richie Cusack (William Hurt) hat noch eine offene Rechnung mit Stall zu begleichen.

Filmposter "A History of Violence"

Auch diese Comicverfilmung erhielt zwei Oscar-Nominierungen. Jeweils für „Bester Nebendarsteller“ (William Hurt) und „Bestes adaptiertes Drehbuch“ (Josh Olson). „A History of Violence“ ist überaus gemächlich unterwegs, überrascht aber immer wieder mit kurzen, brutalen Übergriffen, die durch das ruhige Setting noch viel heftiger wirken (ähnlich wie bei „So Finster die Nacht“). Ein gelungenes Drama, das viel Wert auf Charaktere legt.

The Crow (1994)

Brandon Lee als Eric Draven in "The Crow"

Ein Film der allein auf Grund seiner Tragik in die Geschichte eingegangen ist. „The Crow“ war Brandon Lees letzter Film, als er wegen eines tragischen Unfalls am Set erschossen wurde. Damit folgte der Sohn Bruce Lees viel zu früh seinem Vater, der seinerzeit selber mit nur 32 Jahren verstarb.

„The Crow“ greift die Geschichte auf, die James O’Barr in seiner gleichnamigen Graphic Novel verarbeitete. In der Teufelsnacht, die Nacht vor Halloween, wird Eric Draven von einer Gang ermordet, als er versucht den brutalen Übergriff gegen seine Freundin Shelly Webster (Sofia Shinas) zu verhindern. Doch Dravens Seele findet keine Ruhe und sinnt nach Rache. Eine Krähe führt den gepeinigten Draven zurück ins Diesseits und hilft ihm dabei Rache zu üben und seinen Frieden zu finden.

Düster, melancholisch und depremierend, „The Crow“ ist nichts für einen geselligen Abend. Alex Proyas inszenierte den Film in dunklen Tönen und der Tod Brandon Lees schwebt ständig über dem ganzen Film. Ein intensiver Film, voller Tragik und Gefühl, begleitet von einem gelungenen Soundtrack aus der Feder Graeme Revells. Über die Sequels und die TV-Serie, letztere mit Mark Dacascos, hüllen wir allerdings lieber den Mantel des Schweigens.


Honorary Mention
Bei manchen Filmen ist es etwas offensichtlicher als bei anderen, dass man sie einem Comic verdankt. Trotzdem unterscheiden sie sich ein wenig vom gängigen Superhelden-Plot den man in den letzten Jahren zuhauf präsentiert bekommt. Erwähnenswert sind deshalb auch „Immer Drama um Tamara“, „Snowpiercer“, „From Hell“, „Wanted“ „Hellboy“, „Watchmen“, „Timecop“ und „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“.

Wie bereits erwähnt ist die Liste beileibe nicht vollständig, sie dürfte allerdings zeigen, dass Comic-Verfilmungen mehr zu bieten haben, als „Iron Man“, „Spider-Man“, „The Avengers“, „Batman“ oder „Man of Steel“ vermuten lassen. Es muss nicht immer Action sein, denn Comics können ebenso wie alle anderen Medien den Fokus auf Geschichte, Figuren oder Emotionen lenken und damit eine umfangreiche Palette an Geschmäckern bedienen. In Hollywood fährt man zwar zumeist die sichere Schiene, aber immer wieder findet sich eine Verfilmung wieder, die ein wenig aus dem Rahmen fällt. Mal sehen, wann es wieder soweit ist.

Freitag, 21. Februar 2014

Passend zum gestrigen Artikel über MMA-Stars in Hollywood, wurde heute der Trailer zu Gina Caranos neuestem Film "In the Blood" veröffentlicht. 


John Stockwell ("Blue Crush", "Into the Blue", "Dark Tide") führt Regie in diesem Action-Thriller. Während ihres Urlaubs verschwindet Avas (Gina Carano) Mann spurlos. Doch die toughe Dame macht sich alleine auf die Suche nach ihrem Mann und muss sich gegen korrupte Polizisten und das organisierte Verbrechen durchsetzen. 

In weiteren Rollen zu sehen: Danny Trejo, Luis Guzmán, Stephen Lang und Amaury Nolasco. 

Die IMDB Top 250 Filme - Eine Aufgabe



Ich bezeichne mich ja gerne selber als Filmfan. Als solcher verfüge ich zwar über Detailwissen, aber das ist längst nicht so ausgeprägt, wie das anderer Filmfans. Tatsächlich muss ich peinlicherweise eingestehen, dass mein Filmwissen einige dramatische Lücken aufweist, die ich immer zu schließen gedenke. Vor geraumer Zeit (Mai 2011 um genau zu sein) habe ich mir die Top 250 Liste von IMDB.com in einer Excel-Tabelle gespeichert und geguckt, wie viele der Filme ich gesehen habe. Es waren knapp über die Hälfte. Irgendwie ernüchternd. Da gibt es definitiv Handlungsbedarf.


Das ernüchternde Eingeständnis
Welcher selbsternannte Cineast hat denn Filme wie „Casablanca“, „Citizen Kane“, „Taxi Driver“ oder „Die Reifeprüfung“ noch nicht gesehen? Das peinliche Eingeständnis: Ich. Entschuldigungen gibt es viele. Manche Filme haben mich nie gereizt, bei anderen habe ich das Gefühl, dass man in einer bestimmten Laune sein muss, um sie genießen zu können. Dann wiederum bin ich teilweise zu geizig um den entsprechenden Film auf DVD/BD zu kaufen. Alles faule Ausreden!


Durch meine Mitarbeit an den Topfilme-Büchern sah ich mich „gezwungen“ Filme anzugucken, um die ich bisher aus diversen Gründen einen großen Bogen gemacht habe. „Tootsie“ war einer dieser Filme. Lange Zeit dachte ich, dass es ein Film wie „Ein Käfig voller Narren“ ist und mit Letzterem konnte ich nicht sonderlich viel anfangen. Zu anstrengend und gewollt, als das er wirklich komisch wäre. Als ich dann irgendwann die Tootsie-DVD ins Haus holte um den Film zu sichten, war ich überrascht wie großartig er mir gefallen hat. Ein Feelgood-Movie erster Güte, bei dem das Flair der 80er mitschwingt. Ähnlich bei "Die durch die Hölle gehen" ("The Deer Hunter"). Wobei ich den einfach nie auf dem Schirm hatte und er genau das Gegenteil von einem Feelgood-Movie ist. Dafür ist es aber ein wirklich gelungenes Drama. Die guten Kritiken kommen zumeist nicht aus heiterem Himmel, sondern haben ihre Gründe. Frage: Was hindert mich also daran, die Top bewerteten Filme aus der IMDB anzusehen? Antwort: Eigentlich nichts.


Das Ziel
Anfang des Jahres habe ich mich dann mal aktiv daran gesetzt, nach und nach alle Filme aus der (alten) IMDB-Liste anzusehen. „Die Faust im Nacken“, Fritz Langs „M“ und „Arsen und Spitzenhäubchen“, „The King’s Speech“ gehörten dazu. Alle vier Filme haben mir sehr gut gefallen. Das ist Wind unter den Flügeln der Motivation. Viele der Filme habe ich sogar auf DVD im Regal stehen, habe mich aber nie heran getraut. „Schmetterling und Taucherglocke” zum Beispiel. Die Hamburger Bücherhallen sind zudem extrem gut ausgestattet und so kann/konnte ich auch von dort etliche Filme mitnehmen. Mal gucken, wie gut ich vorankomme und wann ich meine kleine Aufgabe erledigt bekomme. Ich werde es allerdings sicherlich nicht so umfangreich umsetzen, wie der werte Kollege hier: http://thetop250films.blogspot.de/

Hier einmal die Liste als PDF, die ich derzeit als Referenz verwende. Ja, ich bleibe gewollt bei der alten Liste, dann muss ich nicht warten bis Filme wie “The Wolf of Wall Street” auf BD erscheinen. Zudem lebt die Top 250 eh und wandelt sich am laufenden Band. Ich hab den Cut halt im Mai 2011 gemacht. Ich binde die Liste mal als Download ein, weil der Eintrag im Blog sonst ziemlich aus dem Ruder läuft: IMDB Top 250

Der Stand der Dinge (Februar 2014)
Stand Februar 2014: 133 Filme gesehen. Ich werde es wohl nicht schaffen, dieses Jahr die Liste zu vervollständigen, aber das Ziel ist klar vorgegeben. Und es soll am Ende ja immer noch Spaß machen.

Wie schaut es bei euch aus? Alle Filme der obigen Liste gesehen? Stehen die Filme aus gutem Grund dort? Vielleicht sogar der Lieblingsfilm in der Liste?

Donnerstag, 20. Februar 2014

MMA-Stars in Hollywood

Als Filmfreund und MMA-Fan kommt man nicht umhin einigen (unbekannteren) Schauspielern mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Durch die immens wachsende UFC, ist MMA mittlerweile in aller Munde und einige Stars der Szene haben ihre Fühler ausgestreckt, um auch nach ihrer Karriere im Ring/Octagon eine sichere Einnahmequelle zu haben. Was bei den WWF/WWE-Stars schon seit Ewigkeiten der Fall ist - man denke nur an die unsäglichen Filme und Serien mit Hulk Hogan oder an Dwayne „The Rock“ Johnson, der mittlerweile eine feste Größe im (Action)-Kino ist - hat sich mittlerweile auch im Vollkontaktsport etabliert.

Randy Couture in "The Expendables 2"

Randy "The Natural" Couture

Ein großer Vorreiter der ganzen Geschichte ist Randy „The Natural“ Couture. Der ehemalige Ringer war bereits in den Anfängen der UFC dabei. Die Szene war natürlich noch eine gänzlich andere, die Regeln laxer, das Risiko sich schwer zu verletzen immens größer. Das gesamte Konzept war auf eine Nische ausgelegt, für den Hardcore-Fan, dem Boxen zu soft war. Brutale und blutige Kämpfe waren an der Tagesordnung und der Ruf hallt der UFC bis heute nach. Trotzdem man das Regelwerk mittlerweile stark angepasst hat, macht es diese Ruf dem Verband immer noch schwerer als notwendig, Akzeptanz zu erlangen. Couture war bei UFC 13 dabei und konnte das Heavyweight-Turnier für sich entscheiden. In seiner langen Karriere, gewann der Ausnahme-Athlet nicht nur das besagte Turnier, sondern schlang auch dreimal den Heavyweight-Gürtel um seine Hüfte (verteidigte ihn auch dreimal). Außerdem wurde er auch zweimal zum Light Heavyweight Champ gekürt, womit er nur einer von insgesamt zwei Kampfkünstlern ist, die gleichzeitig in zwei Gewichtsklassen einen Gürtel ihr eigen nennen konnten. Der andere Kämpfer ist B.J. Penn.

Mittlerweile ist Randy Couture 50 Jahre alt, hat seinen Zenit als Athlet damit schon lange überschritten. Nicht, dass es ihn daran gehindert hätte, weiterhin ins Octagon zu steigen, aber die fetten Jahre sind schon lange vorbei. Das Ende seiner Karriere markiert die Niederlage 2011 gegen Lyoto Machida mittels eines Frontkicks, der Erinnerungen an „Karate Kid“ (das Original mit Ralph Macchio) erinnert. Doch Couture war clever und hat über den Tellerrand geschaut. Die meisten Athleten registrieren irgendwann in ihren 30ern, dass sie nicht mehr wettbewerbsfähig sind und müssen sich dann schnellstmöglich nach einer Alternative umsehen. Couture war zwar noch ein paar Jahre länger im Octagon, aber das Ende war unumgänglich. Bereits 2003 hat er sich mit kleinen Schritten eine Karriere im Filmbusiness aufgebaut.

Lyoto "The Dragon" Machida vs. Randy "The Natural" Couture
"Karate Kid" in Real-Life

In „Born 2 Die“ („Cradle 2 the Grave“) hatte er an der Seite von Jet Li und DMX seinen ersten Auftritt. Danach ging es stetig bergauf, bis er seine erste Hauptrolle im DtD-Sequel „Scorpion King – Aufstieg eines Kriegers“ („The Scorpion King 2: Rise of a Warrior“) erhielt. Witzigerweise war der Vorgänger „The Scorpion King“ Dwayne Johnsons erste Hauptrolle. Den bisher größten Coup dürfte Couture allerdings als festes Mitglied in der „The Expendables“-Filmreihe erreicht haben. Der ehemalige Champ wird zwar vermutlich nie als Kassenmagnet fungieren, wie es The Rock ist, aber einige lukrative Aufträge dürften für ihn noch ausstehen, bevor er vollends in Rente geht.

Gina Carano

Für besonders große Aufmerksamkeit sorgte Gina Carano. Erst kürzlich wurde eine Frauendivision in der UFC ins Leben gerufen, aber zu dem Zeitpunkt hatte sich Carano bereits seit geraumer Zeit aus dem Fight-Business zurückgezogen. Die attraktive Kämpferin hatte einen kurzen, aber erfolgreichen Run in EliteXC, bis der Verband 2008 seine Pforten schloss. Carano wechselte zu Strikeforce über (mittlerweile wurde Strikeforce von Zuffa LLC aufgekauft und ist somit Teil der wachsenden UFC), wo sie ihren letzten Profikampf um den Featherweight-Gürtel gegen Cristiane „Cybord“ Justine verlor.

Zu dem Zeitpunkt war Carano aber vermutlich schon fast in den Vertragsverhandlungen mit „Relativity Media“ und Steven Soderbergh um die Hauptrolle im Actionfilm „Haywire“. Der Oscar-Gewinner Soderbergh (für „Traffic“) zeigte sich abwechslungsreich, als er plante einen Kampfkunst-Film zu drehen. Doch die viel größere Überraschung kam an die Öffentlichkeit, als verlautbart wurde, dass die unbekannt Gina Carano die Hauptrolle übernehmen würde. Ein großer Schritt für eine ehemalige Sportlerin, die lediglich einen TV-Auftritt und einen kleinen Film-Auftritt in „Blood and Bones“ hatte und aus Sicht des Studios ein riskanter Plan. Ein Jahr vor „Haywire“ lief „Salt“ mit einem ähnlichen Plot in den Kinos, aber da konnte man immerhin auf Angelina Jolie als Zugpferd setzen.

Trailer: "Haywire"

Gina Carano kannte hingegen niemand. Soderbergh war der Name, der für Aufmerksamkeit sorgte und auch der restliche Cast ließ aufhorchen. Michael Douglas, Michael Fassbender, Antonio Banderas und Ewan McGregor konnte Soderbergh für sein neuestes Projekt verdingen. Channing Tatum und Michael Angarano rundeten das Ganze dann noch ab. Ein Erfolg wurde der Film allerdings nicht. Bei Kosten in Höhe von 23 Millionen Dollar, konnte er weltweit gerade einmal 33 Millionen Dollar einspielen. Das Problem war aber sicherlich nicht Gina Carano, sondern eher das Drehbuch. Allerdings muss man einräumen, dass Carano ein sehr eingeschränktes Mimenspiel hat. Wenn jemand sogar gegen Channing Tatum (der zugegebenermaßen ein wenig besser geworden ist) blass aussieht, dann ist das doch sehr schwach. Carano versucht ständig mysteriös und unnahbar auszusehen, wird dadurch eher wie versteinert, was durch ihre monotone Stimme nur noch untermauert wird. Immerhin war sich Soderbergh ihrer Limitierung durchaus bewusst und reduzierte die Dialoge auf ein Minimum. Dafür glänzt die Dame in den Action-Sequenzen. Vergleicht man die Action in „Haywire“ und „Salt“, muss letzterer klar den Kürzeren ziehen. Carano ist explosiv, überzeugend und wird großartig in Szene gesetzt. In einem reinem B-Movie Martial Arts Film wäre sie also perfekt aufgehoben. In der Hauptrolle in einem Action/Thriller-Derivat hingegen nicht so sehr.

Umso besser passte Carano auch in „Fast & Furious 6“ rein, wo sie wenig mehr zu tun hatte, als hart zu gucken und die Fäuste zu schwingen. Erstes gelingt nicht sonderlich gut, letzteres aber hervorragend. In diesem Jahr wird sie aber wieder eine Hauptrolle spielen, dieses Mal John Stockwells „In the Blood“. Der Plot erinnert hierbei ein wenig an „96 Hours“ („Taken“). Es bleibt abzuwarten, wie sie sich dieses Mal schlägt.

Ronda "Rowdy" Rousey

Für deutlich größere Aufmerksamkeit sorgt derzeit Ronda „Rowdy“ Rousey. Die bisher ungeschlagene (der nächste Kampf steht diesen Samstag aus) und frisch-gebackene UFC-Championess weiß sich zu vermarkten. Nicht unbedingt der sympathischste Mensch und auch nicht die respektvollste Kämpferin, sind ihre Leistungen über jeden Zweifel erhaben. Jeden ihrer acht Profi-Kämpfe gewann sie bisher via Aufgabe mittels einer Armbar. Mittlerweile ist sie eins der großen Aushängeschilder der UFC, auch wenn sie noch nicht der größte Kassenmagnet ist. Ihre Schritte auf der großen Leinwand dürften aber auch dem weltweit größten MMA-Verband weiterhelfen. Denn Rousey wird ihren ersten Filmauftritt in „The Exependables 3“ haben und 2015 wird sie sich in „Fast & Furious 7“ prügeln. Außerdem berichtete „Variety“ kürzlich, dass sie im kommenden „Entourage“-Film zu sehen sein wird und ihre erste Hauptrolle im derzeit betitelten „The Athena Project“ erhalten wird. Verkaufen kann sich Rowdy, soviel steht einmal fest.

Ronda Rouseys Siege

GSP, American Psycho und der Rest

Aktive oder inaktive MMA-Kämpfer sieht man derzeit immer häufiger in Filmen. Die Auftritte von Anthony „Rumble“ Johnson, Yves Edwards, Stephen „American Psycho“ Bonnar und Nate Marquardt in „Warrior“ sind dabei weniger beachtenswert. „Warrior“ ist übrigens ein herausragender MMA-Film, mit viel Herz und recht authentischen Kämpfen. Absolute Kaufempfehlung meinerseits. Interessanter hingegen der Gehversuch von Quinton „Rampage“ Jackson, der durch seine Rolle als B.A. in „A-Team“ für einigen Unmut bei der UFC gesorgt hat. Auch der ehemalige Welterweight-Champ Georges „Rush“ St-Pierre (GSP) versucht sich gerade ein wenig im Filmbusiness. Nachdem er den Gürtel freiwillig aufgegeben hat, um erst einmal eine Pause einzulegen, dürfen wir ihn demnächst in „Captain America 2: The Return of the First Avenger“ („Captain America: The Winter Soldier“) als Batroc bewundern.

UFC 170 Preview: Rousey vs. McMann

Von einem Trend kann man schwerlich sprechen, aber es ist interessant zu sehen, wie sich Profi-Kämpfer nach und nach auf die große Leinwand wagen. Es bleibt abzuwarten, ob auch Jon „Bones“ Jones, Chael Sonnen oder andere Kämpfer den Schritt wagen werden. Wobei, Sonnen hatte einen kleinen selbstironischen Auftritt in „Zwei vom alten Schlag“ (The Grudge Match“) und fühlt sich sichtlich vor der Kamera wohl. Für MMA-Fans bleibt es spannend, allerdings muss man sich auch die Frage stellen, in wie weit eine solche Refokussierung während der aktiven Zeit zu Lasten des Leistung im Sport geht. Ob das ganze Gerede um Ronda Rousey sowie die Dreharbeiten ihrer Performance im Octagon schaden, werden wir am Samstag erfahren, wenn sie gegen Sara McMann antritt.