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Donnerstag, 6. März 2014

Die Topfilme-Bücher – Teil 3: Die Recherche

In Teil 1 meiner Reihe über die Topfilme-Bücher bin ich ein wenig auf die Entstehungsgeschichte des Projekts eingegangen. Teil 2 beschäftigte sich hingegen mit der Filmauswahl. Dieses Mal möchte ich hingegen ein wenig auf die eigentliche Arbeit eingehen. Wie man sich denken kann, nimmt die Recherche den Großteil der Arbeit ein. Nach einer guten Recherche und mit der richtigen Strukturierung erledigt sich das Schreiben fast von alleine. Die Betonung liegt allerdings auf „fast“. Bis man an dem Punkt angekommen ist, vergehen einige Stunden. Es wollen umfangreiche Informationen gewälzt werden, aber manchmal gestaltete sich die Suche als schwieriger, als erwartet. Ich gehe dabei in der Regel folgende Schritte durch.

Der Film
Zu Beginn einer jeden Filmbesprechung steht die Sichtung des Films, schließlich muss am Ende eines jeden Kapitels eine (kurze) Filmkritik geschrieben werden. Einen Film zu besprechen, ohne den entsprechenden Film gesehen zu haben ist zwar prinzipiell nicht unmöglich, allerdings wenig erstrebenswert und zielt im Zweifelsfall am Thema vorbei. Darüber hinaus bietet die Sichtung des Films noch einen weiteren Vorteil. Während des Films kommen in der Regel immer ein paar Fragen auf, die man gerne beantwortet haben möchte. Sei es in Bezug auf die Technik, das Schauspiel, die Settings, die Filmmusik usw. Diese Fragen kann man während der Recherche gut im Hinterkopf behalten, um den Fokus in eine entsprechende Richtung zu lenken.



Popcorn raus und Film geguckt

Die Extras
Je nach Film, kann man das große Glück haben, dass die DVD/BD bereits mit üppigen Extras ausgestattet ist. Making Ofs, Featurettes und Audiokommentare sind zumindest bei größeren Produktionen keine Seltenheit und liefern einige hilfreiche Informationen, die sich verwerten lassen. Ab und an lohnt sich auch ein Blick über den nationalen Tellerrand, denn im Ausland finden sich einige Silberlinge, auf denen man deutlich mehr Extras zu einem bestimmten Film findet.

Ein Bild aus dem Behind the Scenes zu JAWS

IMDB und Wikipedia
Die IMDB sollte ohnehin die Anlaufstelle eines jeden Filmfreunds sein. Entsprechend bietet es sich an, die Datenbank auch bei der Background-Recherche zu verwenden. Die Fakten in Bezug auf Cast, Team, Release-Dates und Produktionsstudios holt man sich ohnehin hierher, einen kurzen Blick auf die Trivia schadet ebenfalls nicht. Allerdings sind die Informationen mit Vorsicht zu genießen, da jeder User „Fakten“ bei der IMDB einreichen kann. Somit schleicht sich auch ab und an etwas ein, was eher in die Richtung Halbwahrheit gehört. Entsprechend sollten die Trivias, wenn möglich, lediglich als Ausgangspunkt für eine tiefergehende Recherche dienen. Bei der Wikipedia verhält es sich ähnlich, hier hat man jedoch den Vorteil, dass es häufig entsprechende Quellenangaben gibt.

Wikipedia und die IMDB sind immer einen Blick wert


Das Google-Netzwerk
Sollte Wikipedia nicht die passenden Infos zur Hand haben – was nicht selten vorkommt – oder schlichtweg nicht so umfangreich ausfallen, wie man es gerade benötigt, nutzt man einfach die Möglichkeiten der neuen Technik. Google bietet wirklich ein umfangreiches Netzwerk an, das man beanspruchen kann. Dabei muss man sich gar nicht allein auf das klassische Suchnetzwerk verlassen, in dem eine Vielzahl Websites indexiert ist. Doch dazu gleich mehr. Im ersten Schritt gebe ich selbstverständlich relevante Keywords in die Suchmaske ein und durchforste die Websites, die in den organischen Suchergebnissen gelistetet sind. Dann gibt es auch noch Youtube. Hier werden häufiger Making Ofs und DVD-Extras hochgeladen, die möglicherweise nicht auf den deutschen Veröffentlichungen findet. Ein wahres Kleinod ist die Google-Büchersuche. Hier findet man lokale Zeitungsartikel aus aller Herren Länder (interessant sind in der Regel natürlich die Dokumente aus den USA) die eingescannt wurden. Gleiches gilt für Zeitschriften oder gar Bücher-Previews, die mit umfangreichen Infos aufwarten. Hier kann man einige Stunden mit einer tiefergehenden Recherche verbringen.  

Fan-Sites
Viele der von uns ausgewählten Filme haben mittlerweile einen gewissen Kultstatus inne. Entsprechend gibt es häufig Fan-Gemeinden, die den lieben langen Tag nichts anderes machen, als Infos zu ihrem Lieblings-Film auf einer Fan-Site zusammen zu tragen. So eine Seite kann eine wahre Fundgrube sein und im schlechtesten Fall bildet sie zumindest den perfekten Ausgangspunkt um seine Internetrecherche auszudehnen. Fan-Sites gibt es selbstverständlich auch zu Schauspielern, Regisseuren, Kameramännern und, und, und. Dort findet man häufig Anekdoten, Infos, Buchtipps, eingescannte Zeitschriften, Interviews oder ähnliches. Manchmal ergibt sich auch der ein oder andere Kontakte hierüber, der einem Daten zur Verfügung stellen kann. Die Leute sind zumeist sehr zugänglich.

Zwar nicht im Bereich der Fan-Sites angesiedelt, aber passend hierzu. Gibt es auch manchmal Erfahrungsberichte von Mitgliedern, die am Projekt mitgewirkt haben. Direkte Hands-On-Berichte also, die man teilweise nirgendwo sonst findet.

Zeitschriften und Bücher
Tobias hat eine ziemlich umfangreiche Sammlung deutscher Filmzeitschriften. Auch diese warten teilweise mit umfangreichen Infos auf. Ich habe häufiger Ebay bemüht, um bestimmte englischsprachige Zeitschriften zu kaufen, über deren Namen ich bei der Recherche gestolpert bin. Eine meiner ersten Anlaufstellen ist allerdings die Hamburger Bücherhalle. Diese ist unglaublich gut in Bezug auf Filmbücher und Zeitschriften ausgestattet, die man für die verschiedenen Filme wälzen kann.

Eine Zeitschrift die ich zu schätzen gelernt habe

Kontakte knüpfen
Manchmal hat man das große Glück über das Internet Kontakt zu Leuten aufnehmen zu können, die direkt an der Produktion des Films beteiligt waren oder zumindest Gespräche mit entsprechenden Leuten geführt haben. Oder schlichtweg Dokumente in der Hand hatten, an die man sonst nicht kommt. In dieser Hinsicht hat Tobias mittlerweile schon ein beachtliches Netzwerk aufgebaut, von dem er profitieren kann (speziell für seine umfangreichen Bücher zu einzelnen Schauspielern). Doch auch ich hatte immerhin die Möglichkeit mit Connor Cochrane, dem Business Manager von Peter Beagle Mails auszutauschen. Beagle hat die Buchvorlage von DAS LETZTE EINHORN geschrieben. Grundsätzlich ist der persönliche Kontakt bei den Topfilme-Büchern auch eher die Ausnahme. Es fehlt am Ende des Tages einfach die Zeit, um einen Kontakt zu knüpfen, den man ordentlich zur Ader lassen kann. Es ist aber beachtlich wie schnell man mit Hilfe des Internets Kontakte knüpfen kann.


Vermutlich gibt es noch andere Möglichkeiten, um an weitere Informationen zu kommen, allerdings haben mich diese Schritte bisher immer zum Erfolg geführt. Im vierten und letzten Teil meiner Reihe, werde ich noch ein wenig auf die Schreibarbeit eingehen und welche Schritte noch durchlaufen werden, bis man schließlich ein Buchexemplar in seinen Händen hält.

Donnerstag, 27. Februar 2014

Die Topfilme – Teil 2: Kapitelaufbau

In meinem ersten Eintrag zum Topfilme-Buchprojekt habe ich ein wenig über die Entstehungsgeschichte der Bücher erzählt. Heute möchte ich hingegen etwas über den allgemeinen Kapitelaufbau der Filmbesprechungen erzählen.

In jedem Topfilme-Buch werden 20 Filme vorgestellt. Zum einen wäre da die Top 10 des Jahres, zum anderen werden noch zehn weitere Filme ausgewählt, die aus den unterschiedlichsten Gründen bemerkenswert sind. Die Auswahl der letzten zehn wird vor Beginn der Arbeit festgelegt, unter Umständen kann es jedoch auch einmal vorkommen, dass ein Film getauscht werden muss.  

Die Topfilme 1985

Die ersten Probleme ergeben sich bereits durch den Umfang des Buches. 144 Seiten dick ist jeder Band. Nicht eine Seite mehr, nicht eine Seite weniger. Dadurch hat wir einen sehr klar abgesteckten Rahmen und müssen zusehen, dass wir sämtliche Inhalte hier untergebracht bekommen. Von den 144 Seiten muss man allerdings noch einige Seiten für Kurzbiographien, Filmlisten und die Fakten des Jahres abziehen. Unterm Strich stehen je Film also nicht mehr allzu viele Seiten zur Verfügung.

Mal mehr, mal weniger
Manche Filme sind interessanter als andere, völlig unabhängig davon welchen Platz sie in den Jahrescharts einnehmen. Dies wirkt sich auch auf die Seitenanzahl aus, die wir für den jeweiligen Film zur Verfügung stellen. Je interessanter der Film, desto mehr Raum versuchen wir ihm selbstverständlich einzuräumen. Auf der anderen Seite gibt es auch Filme, die besser dokumentiert sind als andere. Bei manchen Filmen ist bereits im vorhinein klar, wie die Informationslage ausfallen wird. Manchmal stellt sich aber erst während der Recherche heraus, dass zu einem Film doch mehr oder weniger Material zu finden ist, als zunächst angenommen. 

Filmposter zu "Der weiße Hai" und "The Wanderers"

Dass man zu „Der weiße Hai“ mehr Hintergrundinformationen als zu „Schuldmädchenreport“ findet, verwundert sicherlich nicht. Auch, dass „Das Dschungelbuch“ besser dokumentiert ist, als „Cap & Capper“ überrascht nicht. Dass man aber fast nichts zu „Der Käfer von Monte Carlo“, „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“ oder „The Wanderers“ findet, kommt dann doch etwas überraschend. Trotzdem versuchen wir bereits zu Beginn festzulegen, wie viele Seiten wir für den jeweiligen Film zur Verfügung stellen, damit sich der jeweilige Autor daran orientieren kann. Die Seitenanzahl hängt dabei nicht nur von der zu erwartenden Informationslage ab, sondern auch vom Bildmaterial welches uns zur Verfügung steht.

Wo sind die Infos?
Weder zu viele Infos, noch zu wenige, sind wirklich vorteilhaft. Findet man zu wenig Material hat man selbstverständlich das Problem die Seiten zu füllen. Schreiben des Schreibens wegen, ist nicht der Sinn hinter den Büchern. Es geht darum, dem Leser möglichst umfassende Informationen zukommen zu lassen. Im besten Fall sogar Infos, die man sonst in keinem (deutschsprachigen) Buch findet. Allerdings können wir auch nicht einfach einen Film aus der Top 10 streichen. Allgemein versuchen wir selbstverständlich die Produktionsgeschichte möglichst umfangreich abdzudecken. Ideenfindung, die Arbeiten am Drehbuch, Casting, Dreh, Post-Production, Box Office Zahlen, all dies sind Aspekte, die wir zu berücksichtigen versuchen. Manchmal findet man nur Infos zu ein paar der Themen, manchmal schlichtweg nichts. Bei Letzterem muss man irgendwie Abhilfe schaffen, um weiterhin informativ zu sein. Manchmal kann man ein wenig über das Genre schreiben und welchen Stellenwert es seinerzeit einnahm oder kann man geht ein wenig auf den Regisseur ein. Nicht wirklich befriedigend, aber anders kaum zu lösen.

Infoschwemme 
Auf der anderen Seite gibt es das Luxus-Problem mit Filmen, bei denen man mit Infos quasi zugebombt wird. Über „Krieg der Sterne“, „Indiana Jones“ und „Der weiße Hai“ wurden bereits etliche Bücher geschrieben, die prallvoll mit Infos gefüllt sind. Die Topfilme haben weder den Anspruch, noch bieten sie die passende Plattform, um mit dieser Literatur zu konkurrieren. Bei einer entsprechenden Infoschwemme muss man also überlegen, welche Infos wirklich wichtig sind und wo man ein paar Abkürzungen nehmen kann. Ein wenig logischen Menschenverstand muss man natürlich auch an den Tag legen. Bei den Star Wars Filmen sind besonders die Spezialeffekte von Bedeutung, bei „Apocalypse Now“ der Dreh auf den Philippinen, bei „Caligula“ ist es die Entstehungsgeschichte. Auf welche Punkte man stärker eingeht ist selbstverständlich jedem selbst überlassen. Wichtig ist, dass man versucht im vorher festgelegten Rahmen zu bleiben. Ansonsten muss man später die Schere ansetzen und das kann durchaus frustrierend sein.

Filmposter zu "Apocalypse Now" und "Caligula"

Unter dem Strich gibt es hier wenige Überraschungen. Wir planen im vorhinein so gut es geht, trotzdem muss man immer wieder ein wenig Flexibilität an den Tag lagen und sich der Situation anpassen. Im abschließenden Teil der kurzen Reihe dann ein kleiner Überblick über die Recherchearbeit.


Montag, 24. Februar 2014

Comichelden und ihre Filme


Es war ein jahrelanger Kampf bei dem Comics immer wieder als Kinderunterhaltung abgetan wurden und ihnen die Akzeptanz durch die breite Öffentlichkeit in Deutschland verwehrt blieb. In Japan erfreuen sich Manga schon seit Jahrzehnten einer großen Beliebtheit und werden von allen Generationen konsumiert und respektiert. In Deutschland sah die Welt hingegen anders aus. Hierzulande dachte man bei Comics stets an Donald Duck, Fix und Foxi, Spider-Man, Batman und Co. Dass es auch anspruchsvolle Unterhaltung gab, wollte man zunächst nicht wahr haben. Es war ein langwieriger Prozess, aber mittlerweile findet man Comic-Hefte, Graphic Novels und Manga auch im Buchhandel. Alan Moores und Dave Gibbons „Watchmen“ hat es 2005 sogar in die Liste der Times für die 100 besten englischsprachigen Romane seit 1923 geschafft. Der Ritterschlag, wenn man so möchte.

Das berühmte Watchmen-Comic von Alan Moore

Dieser neue Ruf, den sich Comics so schwer erarbeitet haben, steht allerdings auf wackeligen Füßen. Mit der Comicfilm-Schwemme, die seit einigen Jahren über die Kinos schwappt, ändert sich erneut das Bild, dass die Gesellschaft von der bebilderten Unterhaltung hat. Nicht missverstehen, ich bin ein großer Marvel-Fan und das schon seit jeher, hab ich doch als junger Spund die englischsprachigen Comics mit Gusto gelesen und gesammelt. Entsprechend bin ich auch Fan der Filme. DC war nie so meins, aber mit Batman hat der große Marvel-Konkurrent einen Helden in der Hand, dessen Filme häufig die Nase vorn hatten. Trotz alledem hört man, wenn ein neuer Marvel-Trailer über die Leinwand flimmert, Sprüche wie „Oh ne, schon wieder eine Comicverfilmung“. Dabei ist die Bezeichnung Comicverfilmung im eigentlichen Sinne keine Genre-Bezeichnung. Schließlich kann in einem Comic jedes Thema abgehandelt werden. Ob nun Drama, Thriller, Horror, SciFi, Action oder Superhelden, die Themengebiete sind durch das Label „Comicverfilmung“ nicht abgesteckt. Im Gegenteil, Comicautoren haben dieselben Freiheiten wie Buch- oder Drehbuchautoren. Eingeschränkt werden sie lediglich durch ihre Vorstellungskraft.

The Avengers durchbrach die 1 Milliarden Dollar Marke

Dabei ist vielen Zuschauern schlichtweg nicht bewusst, dass einige Filme auf einem Comicbuch basieren. Um diesem Umstand ein wenig Abhilfe zu verschaffen, habe ich ein paar Filme zusammen gesucht, deren Herkunft man in den meisten Fällen nicht unbedingt erahnt. Die Liste ist weder vollständig, noch maße ich mir an, hier die besten Vertreter rausgepickt zu haben. Sie soll lediglich einen kleinen Überblick bieten.

Crying Freeman (1995)

Crying Freeman - Comic und Film

Das französische Duo Samuel Hadida (Produzent) und Christophe Gans (Regisseur) hat 2006 mit „Silent Hill“ nicht nur eine der besseren Videospiele-Verfilmungen abgeliefert, sondern mit „Crying Freeman“ auch einen feinen Martial-Arts-Streifen produziert. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Manga des japanischen Autoren Kazuo Koike und des Zeichners Ryōichi Ikegami. In der Hauptrolle findet man Marc Dacascos. Hier zeigt der Amerikaner, der auch einige Jahre in Hamburg lebte, dass er mehr schauspielerisches Talent hat, als seine trauriges B-Movie-Dasein derzeit andeutet. Bereits im Capoeira-Film „Only the Strong“ arbeitete er mit Hadida zusammen und war später noch einmal in der Hadida-Produktion „Pakt der Wölfe“ unter der Regie Gans’ zu sehen. „Crying Freeman“ ist ein Action-Film, der häufig bei beiderlei Geschlecht auf Wohlgefallen trifft. Zum einen läuft der Hauptdarsteller häufiger mal mit nacktem Oberkörper rum, zum anderen stürzt man sich nicht zu stark auf die Action (in der allerdings auch technisch herausragt), sondern lässt auch eine Liebesgeschichte zwischen Yo Hinomura (Dacascos) und Emu O’Hara (Julie Condra) mit einfließen. Eine Liebesgeschichte, die frei nach dem Motto „Life Imitating Art“ ihren Weg ins echte Leben gefunden hat, denn Condra und Dacascos sind mittlerweile verheiratet und haben drei Kinder.

Oldboy (2003)
Der Thriller „Oldboy“ ist einer der Filme, der das südkoreanische Kino weltweit bekannt gemacht hat. Die verzwickte Geschichte um Oh Dae-Su, der für 15 Jahre von einem Unbekannten in einem Raum gefangen gehalten wird und nach seiner „Entlassung“ fünf Tage Zeit bekommt, um seinen Kidnapper zu finden, ist in der Form irgendwie nur im asiatischen Kino denkbar. Auch „Oldboy“ basiert auf einem japanischen Manga, allerdings sehr lose. Durch die internationale Bekanntheit des Films erhielt Park Chan-wooks „Vengeance“-Trilogie mehr Aufmerksamkeit. Ohne dass Park in seiner Trilogie einen roten Faden durch alle drei Filme zieht, ist „Oldboy“ das Mittelstück, während „Sympathy for Mr. Vengeance“ den Anfang bildet und „Lady Vengeance“ der Abschluss ist.

Choi Min-Sik als Oh Dae-Su

Erst letztes Jahr wurde ein US-Remake des Films veröffentlicht, welches außer wegen des Namens, anscheinend nicht in einem Atemzug mit dem Original genannt werden sollte. Spike Lee übernahm die Regie und ließ Josh Brolin die Hauptrolle spielen. Samuel L. Jackson, Sharlto Copley und Elizabeth Olsen waren in weiteren Rollen zu sehen. Bei Publikum und Presse fiel das Remake allerdings durch.

Road to Perdition (2002)
Nachdem Sam Mendes für „American Beauty“ mit einem Oscar als „Bester Regisseur“ ausgezeichnet wurde und das Drama noch vier weitere Goldjungen in Empfang nehmen konnte (u.a. für „Bester Film“), widmete sich der Regisseur einem weiteren Drama Thriller-Elementen. „Road to Perdition“ basiert auf der gleichnamigen Comic-Reihe, aus der Feder Max Allan Collins’.

Filmposter "Road to Perdition"

Vor der Kamera versammelte Mendes einen namhaften Cast. Tom Hanks spielte die Hauptrolle. Unterstützung fand er in Paul Newman, Daniel Craig, Jude Law und Jennifer Jason Leigh. „Road to Perdition“ schlägt ein langsames Tempo an, ist sehr visuell geprägt und behandelt die Loyalität eines Sohnes, der mit ansehen muss, dass sein Vater ein Auftragsmörder ist. Der Thriller erhielt sechs Oscar-Nominierungen und Conrad L. Hall wurde für seine Arbeit hinter der Kamera mit dem Oscar für „Beste Kamera“ ausgezeichnet.

A History of Violence (2005)
Einer unserer beliebtesten kanadischen Regisseure ist und bleibt David Cronenberg. Er drehte Filme wie „Scanners“, „Die Fliege“ und „eXistenZ“. Als er die Graphic Novel „A History of Violence“ für einen Film adaptierte, schlug er damit einen gänzlich anderen Weg ein. Das Drama zeigt Tom Stall (Viggo Mortensen), der in einer amerikanischen Kleinstadt ein kleines Cafè führt. Stall ist glücklich mit seiner Frau Edie (Maria Bello) verheiratet und hat einen Sohn Jack (Ashton Holmes). Doch seine Vergangenheit holt ihn ein, als er Besuch von Carl Fogarty (Ed Harris) bekommt, denn Richie Cusack (William Hurt) hat noch eine offene Rechnung mit Stall zu begleichen.

Filmposter "A History of Violence"

Auch diese Comicverfilmung erhielt zwei Oscar-Nominierungen. Jeweils für „Bester Nebendarsteller“ (William Hurt) und „Bestes adaptiertes Drehbuch“ (Josh Olson). „A History of Violence“ ist überaus gemächlich unterwegs, überrascht aber immer wieder mit kurzen, brutalen Übergriffen, die durch das ruhige Setting noch viel heftiger wirken (ähnlich wie bei „So Finster die Nacht“). Ein gelungenes Drama, das viel Wert auf Charaktere legt.

The Crow (1994)

Brandon Lee als Eric Draven in "The Crow"

Ein Film der allein auf Grund seiner Tragik in die Geschichte eingegangen ist. „The Crow“ war Brandon Lees letzter Film, als er wegen eines tragischen Unfalls am Set erschossen wurde. Damit folgte der Sohn Bruce Lees viel zu früh seinem Vater, der seinerzeit selber mit nur 32 Jahren verstarb.

„The Crow“ greift die Geschichte auf, die James O’Barr in seiner gleichnamigen Graphic Novel verarbeitete. In der Teufelsnacht, die Nacht vor Halloween, wird Eric Draven von einer Gang ermordet, als er versucht den brutalen Übergriff gegen seine Freundin Shelly Webster (Sofia Shinas) zu verhindern. Doch Dravens Seele findet keine Ruhe und sinnt nach Rache. Eine Krähe führt den gepeinigten Draven zurück ins Diesseits und hilft ihm dabei Rache zu üben und seinen Frieden zu finden.

Düster, melancholisch und depremierend, „The Crow“ ist nichts für einen geselligen Abend. Alex Proyas inszenierte den Film in dunklen Tönen und der Tod Brandon Lees schwebt ständig über dem ganzen Film. Ein intensiver Film, voller Tragik und Gefühl, begleitet von einem gelungenen Soundtrack aus der Feder Graeme Revells. Über die Sequels und die TV-Serie, letztere mit Mark Dacascos, hüllen wir allerdings lieber den Mantel des Schweigens.


Honorary Mention
Bei manchen Filmen ist es etwas offensichtlicher als bei anderen, dass man sie einem Comic verdankt. Trotzdem unterscheiden sie sich ein wenig vom gängigen Superhelden-Plot den man in den letzten Jahren zuhauf präsentiert bekommt. Erwähnenswert sind deshalb auch „Immer Drama um Tamara“, „Snowpiercer“, „From Hell“, „Wanted“ „Hellboy“, „Watchmen“, „Timecop“ und „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“.

Wie bereits erwähnt ist die Liste beileibe nicht vollständig, sie dürfte allerdings zeigen, dass Comic-Verfilmungen mehr zu bieten haben, als „Iron Man“, „Spider-Man“, „The Avengers“, „Batman“ oder „Man of Steel“ vermuten lassen. Es muss nicht immer Action sein, denn Comics können ebenso wie alle anderen Medien den Fokus auf Geschichte, Figuren oder Emotionen lenken und damit eine umfangreiche Palette an Geschmäckern bedienen. In Hollywood fährt man zwar zumeist die sichere Schiene, aber immer wieder findet sich eine Verfilmung wieder, die ein wenig aus dem Rahmen fällt. Mal sehen, wann es wieder soweit ist.